Beiträge 2014/2015

Passend zum aktuellen Stoff im Geschichtsunterricht der 10. Klassen, dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit, begrüßte das Schlossgymnasium die Prager Schriftstellerin Radka Denemarková, die am 21. April aus ihrem Roman „Ein herrlicher Flecken Erde“ in der Aula vorlas. Das Thema der Veranstaltung war der mitteleuropäische Antisemitismus (Judenfeindschaft) in Vergangenheit und Gegenwart.

Das Buch beginnt im Jahr 1945, drei Monate nach Kriegsende, als das sudetendeutsche jüdische Mädchen Gita Lauschmann mit gerade einmal 16 Jahren erschöpft und voller Hoffnung aus dem Konzentrationslager heimkehrt. Dort angekommen, trifft sie nicht auf ihre Eltern, sondern auf ein tschechisches Ehepaar, welches sie fortjagt. Die Eltern sind im Konzentrationslager ermordet worden, der Familienbesitz konfisziert. 60 Jahre später, im Jahr 2005, kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück, um vor Gericht das Ansehen ihres Vaters und den Besitz der Familie zurückzuerlangen. Die Dorfbewohner stehen ihr dabei feindlich gegenüber. Die Erstauflage des Buches erschien im Jahr 2014 und die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.

Nachdem Radka Denemarková Szenen aus ihrem Buch vortrug, begannen die Schüler ein Gespräch mit den Veranstaltungsleitern. Sie sprachen über die Formen von Rassismus und über die zwei Phasen des Judenhasses in Europa, dass die Wurzeln des Antisemitismus´ bereits in der Bibel verankert sind und später über biologische Grundlagen begründet wurden. Der Prager Historiker Jan Sicha steuerte zu dem Gespräch wichtige Gesichtspunkte aus der Geschichte hinzu. Die Schüler kamen zu der Erkenntnis, dass auch lange Zeit nach dem Krieg nicht alles gut war und dass der Krieg für Überlebende des Konzentrationslagers nie zu Ende sein wird.

Mit Radka Denemarková kam eine Berühmtheit ans Schlossgymnasium Gützkow. Die tschechische Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalisten studierte Germanistik und Bohemistik (Wissenschaft der tschechischen Sprache und Literatur), war tätig an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik und erhielt 2011 den Literaturpreis der Usedomer Literaturtage.